Muito obrigada do Brasil

Ein Reisebericht über Brasilien
von Jasmin Lange

“Wir haben in Brasilien eine extrem ungerechte Gesellschaft.

Wir leben mit einer Rassentrennung.

Es gibt Indianer und Schwarze.

Und es gibt eine Elite in der Gesellschaft

ohne jegliche Verantwortung für das Land,

in dem sie leben.”

(Luiz Ruffato)

Wir sind eine Gruppe Studierender der Sozialen Arbeit, SWb17, und sind im Februar 2020 im Rahmen unseres Projektstudiums „Grenzenlose Soziale Arbeit“ für fünf Wochen nach Brasilien geflogen, um verschiedene Bevölkerungsgruppen zu unterstützen. Dabei wollten wir vor allem die Aspekte Ökotourismus, Kulturerhalt und Identitätsbildung sowohl finanziell als auch durch unser Handeln fördern. Die Reise setzte sich aus verschiedenen Etappen und Themenbereichen zusammen, auf welche ich nun gern genauer eingehen möchte.

1) Projekt „Experience Rio Negro“ (Jaraqui)
Das flächenmäßig größte Land in Südamerika ist Brasilien. Es ist unterteilt in 26 Bundesstaaten und einen Bundesdistrikt, dem Distrito Federal. Der größte Bundesstaat ist der Amazonas in Nordbrasilien, die kleinsten sind der Distrito Federal und Sergipe im Nordosten. Der Bundesstaat Amazonas liegt im Nordwesten von Brasilien. Seine Hauptstadt ist Manaus. Ein paar Stunden muss man mit dem Boot Richtung Nordwesten auf dem Fluss Rio Negro fahren, bevor man in das kleine Dorf Jaraqui kommt, das mitten im brasilianischen Dschungel liegt.

Die BewohneIinnen des Dorfes leben im Einklang mit der Natur und sehr traditionell. Sie gehören zum Stamm der „Caboclos“. Die Stämme im Amazonasgebiet haben keine einheitliche Religion. Jeder Stamm und teilweise auch die Familien innerhalb eines Stammes gehören verschiedenen Religionen an. Dadurch entsteht eine vielfältige Kultur, die von einer einzigartigen Flora und Fauna umrahmt wird. Damit ein interkultureller Austausch z.B. mit Studierenden wie uns stattfinden kann, wurde ein Besucherzentrum in Jaraqui eingerichtet. Dies war die Idee unserer Professorin Frau Dassi, die damit auch den Wegzug der Menschen in die nächstgrößeren Städte, wie z.B. Manaus verhindern wollte.

Aufgrund der mangelnden Arbeit bzw. Verdienstmöglichkeiten in Jaraqui ziehen viele Menschen in die Stadt Manaus. Die Frauen verdienen ihr Geld meist durch Prostitution, während die Männer versuchen im Drogenhandel Fuß zu fassen. Um den „Caboclos“ Einkünfte in Jaraqui zu ermöglichen wurde das Besucherzentrum gegründet. In diesem Zentrum können 26 BesucherInnen mit eigenem Zimmer und Bad beherbergt werden. Das Zentrum wird von einer Familie in drei Generationen geführt. Das Leitbild des Besucherzentrums in Jaraqui, umfasst nicht nur sozioökologische, humanistische, der Natur verbundene und ressourcenschonende Aspekte, sondern legt auch besonders viel Wert auf den Schutz der traditionellen Kultur der „Caboclos“. Wir Studierenden möchten dort die brasilianische Kultur und das Leben im Dschungel näher kennenlernen.

In Jaraqui konnten wir mit Roy, dem Besitzer des Besucherzentrums, an verschiedenen Erfahrungen teilnehmen. Zu diesen gehören bspw. eine Wanderung durch den Dschungel mit anschließender Übernachtung in Hängematten. Dabei haben wir viel über ansässige Tier und Pflanzenarten lernen können. Die einzigen Tiere, vor denen sich unser Guide fürchtete waren Schlangen und Krokodile, die in dem Sumpf nicht weit von unseren Hängematten lebten. Die Natur ist die Apotheke der „Caboclos“. Es gibt bspw. Bäume, deren Rinde gegen Durchfall oder Verstopfung hilft, wenn man sie kaut. Es gibt Bäume deren Saft, als natürlicher Kleber für die Boote genutzt werden kann, sowie einen Baum, dessen milchige Flüssigkeit sogar als Muttermilch-Ersatz verwendet werden kann, wenn in einem Stamm die Mutter eines Kindes bei der Geburt verstirbt. Wir bekamen Anregungen, wie man im Regenwild trotz wilder Tiere und ohne Vorräte überleben kann.

Wir lernten, dass das Einzige, was man wirklich braucht, ein gutes Messer ist. Wir entdeckten nicht nur die Pflanzenwelt, sondern auch die der Tiere, bspw. beim Schwimmen mit Flussdelphinen. Wir sahen u.a. auch Faultiere, Affen und Krokodile. Wir lernten Acai-Saft herzustellen. Acai ist ein brasilianisches Superfood, welches mit der europäischen Aroniabeere vergleichbar ist und leicht herb schmeckt. Das Acai-Eis mit frischem Obst schmeckt fantastisch. Wir erweiterten unseren kulinarischen Horizont auch durch die Brotfrucht (schmeckt wie Kartoffel), den Indianerkäse (ein Avocadokern mit orangenem Fruchtfleisch, das dem Kürbis ähnlich ist), sowie den Tigerfisch (misst einen Meter). Anzumerken ist, dass das Obst und Gemüse sehr viel intensiver schmeckt, als in Europa.

Wir durften auch die Traditionen der Urbrasilianerinnen kennenlernen und mehr über das Leben am Rio Negro erfahren, als wir im interkulturellen Austausch mit einer Schule waren. Dort werden auch die indigenen Kinder unterrichtet. Sie werden dahingehend gut eingebunden, dass sie ihr Wissen, z.B. über Tierlaute mit einbringen können. Auf diese Art werden ihr Wissen bzw. ihre Herkunft gewürdigt und wertgeschätzt. Wir gestalteten einen Nachmittag mit verschiedenen Spielen und bastelten mit den Kindern.

Eine weitere interkulturelle Erfahrung, die so zum 1. Mal von den Studierenden unserer Hochschule erlebt werden konnte, war der Besuch in einem Dorf, bei dem wir sehr niedrigschwellig in Kontakt mit den Dorfbewohnerinnen kommen konnten. Der Rahmen war ein Fußballspiel, das rege Begeisterung fand. Die Brasilianerinnen und die „Delfine“ (wie
Europäerinnen genannt werden, weil sie den rosa Flussdelfinen ähneln) spielten Seite an Seite zusammen Fußball. Worte waren nicht nötig. Jeder verstand, was gemeint war, wenn jeder in seiner Sprache „Lauf zum Tor!“ rief. Unsere Portugiesisch-Kenntnisse waren natürlich trotzdem von Vorteil. Wer nicht mit Fußball spielte, jagte mit den kleineren Kindern über die Wiese.

Den Frauen des Dorfes kam unser Besuch natürlich auch zugute, da sie uns sehr stolz ihren Schmuck präsentieren und verkaufen konnten. In tage- und wochenlanger Handarbeit hatten sie Ohrringe, Armbänder und Kochlöffel aus rotem Brasilholz gefertigt. Dadurch konnten wir den Ökotourismus auch an dieser Stelle finanziell unterstützen. Ein weiterer kultureller Austausch fand bspw. im Indianerdorf statt, zu dem uns Roy mit dem Boot brachte. Wir durften den traditionellen Tänzen beiwohnen und sogar teilnehmen. Diese Tänze werden nur für „Ökotouristen“ und zu besonderen Festen aufgeführt. Aus diesem Grund war es für uns eine besondere Ehre.

Die Brasilianerinnen des Amazonas gaben uns nicht nur ihr Wissen weiter, sondern vermittelten uns auch die Wichtigkeit des Erhalts der Kultur und Natur in Brasilien. Durch den Austausch ist es nicht nur uns, den Studierenden, sondern auch den „Caboclos“ möglich gewesen ihren Horizont zu erweitern und mehr über andere Lebensweisen zu erfahren.

Positive Erfahrungen wurden auf allen Seiten gemacht. Durch die neuen Erkenntnisse können die Betreiberinnen das Besucherzentrum weiterentwickeln und rentabler bzw. attraktiver für zukünftige Besucherinnen gestalten. Der Abbau von Vorurteilen und Hemmschwellen stand ebenfalls im Vordergrund der Reise. Jede Kultur und jede Nation ist bestimmten Stereotypen ausgesetzt, die durch die Begegnung zwischen Reisenden und Flussbewohnerinnen verringert werden sollen. Es geht auch darum das Gegenüber ohne Vorbehalte kennenzulernen und gemeinsam die Lebensweise des Amazonas zu erleben. Der Erhalt der eigenen Lebensweise, Kultur und Natur spielt natürlich ebenfalls eine Rolle.

Das Projekt „Grenzenlose Soziale Arbeit“ soll nicht nur das Besucherzentrum unterstützen, sondern auch die Menschen in Jaraqui. Dazu gehört auch Seu Manoel, der Schwiegervater von Roy. Mit einer Rente von umgerechnet rund 17 Euro im Monat kann er seinen Lebensunterhalt kaum bestreiten. Erschwerend kommt hinzu, dass ihm aufgrund einer Diabetes-Erkrankung ein Unterschenkel abgenommen werden musste. Um ihn zu unterstützen, nahmen wir die von ihm angebotenen Touren und Aktivitäten in Anspruch. Dazu gehörte bspw. unter seiner Anleitung selbst Armbänder, Haarnadeln und Messer aus Brasilholz zu fertigen, den Regenwald zu erkunden, paddeln zu gehen… Als wir ihm das gesammelte Geld übergaben, war er sehr gerührt und wir auch, weil wir wussten, welche Bedeutung es für ihn hat.

2) Marcelene (Jaraqui)
Einen Teil des gesammeltes Geldes spendeten wir auch an Marcelene, Seu Manoels Tochter, die ein soziales Projekt in Jaraqui etablieren möchte. Sie hatte zunächst Soziale Arbeit in Manaus studiert und war danach zurück in ihre Heimat gegangen. Ihre Idee ist es, das (medizinische) Wissen der Älteren an die jüngeren Generationen weiterzuvermitteln, damit es nicht verloren geht. Weiterhin sollen die Jugendlichen stärker eingebunden werden, indem sie gegen Lohn den Amazonas-Regenwald aufforsten. So könnten sie etwas sinnvolles tun, was sich auch positiv auf unser Weltklima auswirkt. Es soll das Gefühl verstärkt werden, dass es „eine Welt“ gibt, in der wir alle füreinander verantwortlich sind.

3) Pierre-Verger-Stiftung (Salvador)
In Salvador setzten wir uns mit der afro-brasilianischen Kultur auseinander, welche ihren Ursprung im Sklavenhandel findet. Im 16. Jahrhundert wurden afrikanische Sklaven durch Europäer nach Lateinamerika gebracht, um auf den Plantagen zu arbeiten. 37% aller Betroffenen kamen dadurch nach Brasilien. Die Stiftung Pierre-Verger in Salvador de Bahia beschäftigt sich mit genau dieser Bevölkerungsgruppe, welche noch heute von Ausgrenzung betroffen ist. Verger war Fotograf und setzte sich für die Vermittlung von Wissen zwischen Brasilien und Afrika ein, sodass Afrobrasilianerinnen ihre Ursprünge kennen und verstehen
lernen und somit eine positive Identitätsbildung angeregt wird.

Die Stiftung bewahrt und verbreitet sein Werk und setzt sich außerdem zum Ziel, als Kulturzentrum zu agieren. So wird beispielsweise Forschung betrieben, es werden kostenlose Kurse für Kinder und Jugendliche angeboten und Candomblé, die afro-brasilianische Religion, wird mit all ihren Bräuchen (z.B. Musik und Tanz) gelebt. Dies bietet die Möglichkeit, die individuelle Kraft einer unterstützenden Gemeinschaft zu erfahren. Unser Projekt zielte hierbei vor allem auf die finanzielle Unterstützung und das Kennenlernen der Stiftung ab, sodass Kurse bspw. kostenfrei bleiben können und der Prozess der kulturellen Identitässtärkung gewährleistet ist.

Die Stiftung Pierre-Verger erlebt momentan erschwerte Bedingungen, da eine Förderung für die einzelnen Kurse vom Kultusministerium zwar bewilligt wurde, doch der aktuelle Präsident von Brasilien, Jair Bolsonaro, dieses kurzerhand auflöste. Die Stiftung lebt nun ausschließlich von Spenden sowie wenigen Verkäufen von Bilddrucken etc. Durch die jährliche Studienreise kann die Stiftung ihre Existenz zumindest ein paar Monate länger sichern. Wir konnten durch den Besuch der Stiftung viel über das Leben von Pierre Verger lernen. Der französische Fotograf war ein zurückhaltender, selbstironischer Mann mit einem feinen Sinn für Humor. In seinem spärlich eingerichteten Haus befinden sich rund 62.000 säuberlich sortierte Negative, die bspw. in seiner Ausstellung „Götter im Exil“ ausgestellt wurden. Dieses Haus ist nun ein Museum, das der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden konnte. Wir durften an verschiedenen Angeboten der Stiftung teilnehmen.

Dazu gehörten nicht nur ein Kochkurs mit einer typisch brasilianischen Nachspeise und ein Kunstkurs, sondern auch ein Capoeira-Kurs. Capoeira ist eine brasilianische Kampfkunst, die mit Instrumenten, einem Chor und Gesängen begleitet wird. Richtig ausgeführt kann sie auch als Selbstverteidigung dienen. Sie soll das Selbstvertrauen der TeilnehmerInnen stärken und gegen Mobbing an Schulen helfen. Capoeira- Kurse sind nicht an allen Schulen erlaubt. In der öffentlich zugänglichen Bibliothek können sich die Besucherinnen der Stiftung über verschiedenste Themen, u.a. die afro-brasilianische Geschichte belesen. Es gibt auch noch eine private Bibliothek von Verger, in der die alten Bücher auf 19 Grad gekühlt werden müssen.

Ein Nähkurs bringt Analphabetinnen das Lesen näher, indem Sprichwörter und Texte auf Stoffe gestickt werden. So wird ihnen ein Werkzeug an die Hand gegeben sich später den Lebensunterhalt sichern zu können. Die Teilnahme an den Angeboten der Stiftung war für uns Studierende sehr lehrreich. Wir erfuhren mehr über das Leben und Wirken von Pierre Verger und die Bedingungen und Widrigkeiten, mit denen die Stiftung in Brasilien zu kämpfen hat. Dazu kam natürlich der herzliche interkulturelle Austausch mit den Mitarbeiterinnen und Teilnehmerinnen der Stiftung.

4) Jorge (Salvador)
Zum interkulturellen Austausch kam es auch mit Jorge, einem Freund von Frau Dassi, der in Salvador lebt. Er erzählte uns seine Geschichte und viel interessantes über die Lage in Brasilien. Er hatte als Kind zu den Lebenshaltungskosten seiner Eltern beitragen müssen, da seine Geschwister Hunger litten. Mittlerweile gehört ihm ein Haus, das er vermietet. Er hat im mittleren Alter nochmal angefangen Jura zu studieren und es erfolgreich abgeschlossen. Sein Traum ist es, ein Kinderheim zu bauen für die Straßenkinder von Salvador. Er kochte für uns ein sehr leckeres typisch brasilianisches Essen mit viel Fleisch und Gemüse. Jorge unterstützten wir auch finanziell.

5) Fachlicher Austausch mit der UFBA (Salvador)
Die „Universidade Federal da Bahia“ gilt als die beste sowie prestigeträchtigste Universität von ganz Bahia. Es handelt sich dabei um eine staatliche Universität in Salvador. Sie wurde am 8. April 1946 gegründet. Diese Universität ist mit ca. 40.000 Studentinnen und 1.768 Mitarbeiterinnen die fünftgrößte des Landes. Nur fünf Prozent der Professorinnen sind aus Bahia, die restlichen 95 Prozent stammen aus anderen Teilen Brasiliens.

Auf unserer Studienreise traten wir in einen fachlichen Austausch mit zwei Kolleginnen der Sozialen Fakultät. Sie berichteten uns über den Studiengang Soziale Arbeit an der UFBA und wir informierten sie über die Hochschule Zittau/Görlitz. Von den 40.000 Studentinnen studieren an der UFBA. 62 Prozent aller Studierenden sind weiblich, 38 Prozent sind männlich. 55 Prozent der Studentinnen sind schwarz. Dies ist eine sehr gute Quote, da normalerweise eine große Diskriminierung stattfindet und 99 Prozent der Dunkelhäutigen in den Favelas zu finden sind und nur ein Prozent (!) in den Universitäten. Erst seit zehn Jahren hat die Anzahl zugenommen.

Die Fakultäten der UFBA sind in ganz Salvador verteilt. Die größten Studiengänge werden durch die Medizin und die Ingenieurwissenschaften verkörpert. Dort gibt es nicht nur die meisten Studierenden, sondern auch die meisten Professorinnen. Anna-Maria, die Koordinatorin für Soziales an der UFBA, erläuterte uns die Inhalte des Studiengangs Soziale Arbeit, der 350 Studierende umfasst. Den Bachelor-Studiengang Soziale Arbeit gibt es seit 10 Jahren, den Master erst seit einem Jahr. Davor waren alle sozialen Studiengänge privat. Früher war das Abitur die einzige Zugangsvoraussetzung, um ein Studium beginnen zu können, aber seit mittlerweile sieben Jahren muss ein zusätzliches Aufnahmeverfahren durchlaufen werden.

Die Professorinnen im Studiengang der Sozialen Arbeit sind insgesamt 19 Frauen und ein Mann. Um eine Professur zu erlangen, muss man den Bachelor in Sozialer Arbeit absolvieren. Dieser dauert vier Jahre. Der zweijährige Master muss nicht unbedingt in die Soziale Richtung gehen, sondern kann auch in einer anderen Fachrichtung erfolgen. Der Doktor umfasst zwei Jahre in einem Teilgebiet der Sozialen Arbeit. Um Professorin zu werden, benötigt man nicht wie in Deutschland fünf Jahre Praxiserfahrung. Der sogenannte Post-Doktor entspricht der deutschen Promotion. Der Bachelor Soziale Arbeit umfasst an der UFBA acht Semester. Im Studium ist ein Praktikum mit einem Umfang von 164 Stunden enthalten, sowie zwei Tage pro Woche Supervision. An der Hochschule Zittau/Görlitz sind es dagegen zwei Semester Praktikum mit je 720 Stunden.

An der UFBA ist die Verknüpfung von Theorie und Praxis sehr wichtig, deshalb werden im Curriculum die Theorien und Methoden eng miteinander verknüpft. Der Modulplan ähnelt dem unserer Hochschule. Es gibt Module zum wissenschaftlichen Arbeiten, Soziologie, Theorie und Methoden, Sozialpolitik, etc. Zusätzlich dazu kommt bspw. Das Modul „Profession mit Staat und Markt“, sowie „Politik und Soziale Unterstützung“. Der UFBA lehrt unter erschwerten Bedingungen, da die Gelder für die Universitäten trotz hoher Inflation gekürzt wurden. Die Universitäten werden vom Staat und dem Präsidenten als Feind angesehen und auch so behandelt. Wenn Studierende bspw. mit den Aussagen einer Professorin bzw. einem Professor nicht einverstanden sind, können sie ihn oder sie anzeigen bzw. verklagen. Was erschwerend hinzukommt, ist die kürzlich eingeführte Skala von sieben (sehr gut) bis null (sehr schlecht). Die Studiengänge, die am schlechtesten abschneiden, bekommen Gelder gekürzt oder werden komplett gestrichen. Das heißt, der Studiengang Soziale Arbeit steht jedes Jahr erneut auf der Probe. In Bahia gibt es mehr private als öffentliche Universitäten. Ausländische Studierende werden durch entsprechende Programme gefördert und sind an den Universitäten erwünscht.

Der Austausch mit der UFBA war für uns Studentinnen aus Deutschland sehr lehrreich und auch erschreckend zu sehen, wie die Universitäten von der Politik und dem aktuellen Präsidenten abhängig sind.

6) Nationalpark „Chapadas Diamantinas“
Den Ökotourismus den wir in Jaraqui im Amazonasgebiet förderten, unterstützten wir ebenso im Nationalpark „Chapadas Diamantinas“. In diesem Gebirge befanden sich vor einiger Zeit unzählige Diamanten, da dieses Gebiet im Laufe der Geschichte abwechselnd Wüste und Ozean war. Durch den Druck entstanden im Inneren der zusammen gepressten Steine Diamanten. Diese wurden durch Diamantengräber abgebaut. Diamanten bildeten die wichtigste Geldquelle der Stadt. Als dann keine Schätze mehr übrig waren, brach die Wirtschaft vor Ort zusammen. Die Menschen mussten sich von nun an aus anderen Quellen finanzieren und gerieten so oft in Problemlagen der Prostitution oder des Drogenhandels. Seit ca. 30 Jahren ist das Modell des Ökotourismus im Nationalpark existent und somit auch für uns als Studierende der Sozialen Arbeit relevant, da wir durch unseren Besuch den wirtschaftlichen Aufstieg der Bewohner*innen begünstigen konnten, indem wir z.B. für eine Tour mit einem/r Einheimischen bezahlt haben, wie bspw. bei der Gruta da Marota.

Die Tropfsteinhöhle steht auf dem Grundstück einer Familie, die sich das Konzept des Ökotourismus angenommen hat. Sie verdienen sich ihren Lebensunterhalt mit den Führungen durch die Höhle, sowie einem typisch brasilianischen Mittagessen im Anschluss. Unser Guide Julio, der Besitzer der Unterkunft in der wir untergebracht waren, organisierte die Touren so, dass wir viele Familien auf diese Weise unterstützen konnten, z.B. bei Wasserfalltouren. Durch den Ökotourismus soll gegen die sozialen Problemlagen angekämpft werden. Im Allgemeinen soll durch diese Art des Tourismus ein interkultureller Austausch angeregt und ein Einblick auf verschiedene Lebensideale geschaffen werden.




Fazit
Die Studienreise nach Brasilien war für uns alle ein einmaliges Erlebnis, dass unseren Horizont nicht nur in fachlicher und interkultureller Sicht erweitert hat, sondern wir haben auch die brasilianische Flora und Fauna, sowie die unglaublich leckere Küche erleben dürfen.

Wir möchten uns ganz herzlich bei PROMOS für diese Chance bedanken!

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