Erfahrungsbericht zum Studienaufenthalt in Indonesien

Bewerbung und Ankunft an der Gasthochschule

Die Bewerbung für die Universität Udayana lief reibungslos über die deutsche Organisation “studiesnetwork” ab. Via PayPal musste eine Registrierungsgebühr gezahlt werden und per Auslandsüberweiung etwas später dann die Studiengebühren. Diese fielen an, weil Indonesien als außereuropäisches Land, leider keine Erasmus+-Möglichkeiten bietet. Ein paar Wochen vor Semesterstart kamen alle informativen Unterlagen per Mail zu den Klasssenaufteilungen, Empowerment-Teams, Exkursionen und Einführungsveranstaltungen in der ersten Uni-Woche. Der Universitätscampus befand sich für uns in Jimbaran. Für mich war es so ein kurzer Weg zur Uni. Am Willkommenstag folgten einige Reden vom Vorsitzenden der Universität, dem Leiter des Studienprogrammens und der Verantwortlichen unseres Programmes, traditioneller Legong-Tanz (um uns auf die Kultur einzustimmen) und ein Fotoshooting für die legendären Abschlussbilder. Wir wurden freundlich in der Aula des Rektorats begrüßt und empfangen. Unsere eigentlichen Seminarräume für die kommende Zeit, befanden sich jedoch noch ein kleines Stück weiter.

Am ersten richtigen Vorlesungstag, gaben uns die Dozenten mit mal mehr, mal weniger gutem Englisch dann einen Semesterüberklick mit den Inhalten und Prüfungsleistungen, die auf uns zukommen werden.

 

 

Unterkunft 

Im Gegensatz zur klassischen Villa-Anmietung vieler anderer Studenten, entschied ich mich für ein Appartment. Um der stressigen Vorortsuche zu entgehen, buchte ich bereits einige Monate vorab mein Zimmer über die Webseite ‘auslandssemester-bali.de’. Die Korrespondenz verlief auch reibungslos. Mein Zimmer befand sich im Hotel Anumana Bay View auf der Bukit-Halbinsel in Jimbaran. Das Hotel verfügt über 10 klimatisierte Zimmer und einen kleinen Pool. In meinem Zimmer war sogar eine kleine Kitchnette vorzufinden, die allerdings selten benutzt wurde, da die Dachterrasse mit Blick auf das Meer eine viel komfortablere Kochmöglichkeit und über mehr Küchenutensilien verfügte. Bis zum Ende konnte man sich an den Sonnenuntergängen auf Bali nicht satt sehen, welche wir fast täglich von der Dachterasse aus bewunderten. Das Personal war auch immer freundlich und half sofort, sobald es Problemchen gab. Ich emfand das Team als sehr gastfreundlich, bemüht und herzlich.

Zur Lage lässt sich sagen, dass Jimbaran kein klassischer Touristenort ist, wie zum Beispiel Kuta, Seminyak oder Kerebokan nördlich des Flughafens. Dadurch ist das touristische Angebot begrenzt, aber andererseits ist es hier auch ruhiger und erholsamer. Dank des PROMOS-Stipendiums konnte ich einen Großteil der monatlichen Ausgaben für die Unterkunft und Verpflegung problemlos bestreiten.

 

Studium an der Gasthochschule 

Ich habe mich relativ schnell in englischsprachige Vorlesungen einfinden können und konnte dem Unterrichtsverlauf gut folgen. In jedem Modul waren neben dem Midterm- und dem Final-Test, weitere Prüfungsleistungen zu erbringen. Oft in Form von Präsentationen oder home assignments. Uns Studenten wurde also nie langweilig. Im Fach “Global Project Management” mussten wir in einer Gruppenarbeit ein Projekt in Kooperation mit einem sozial-orientieren Entrepreneur auf die Beine stellen, das auch über unseren Aufenthalt hinaus eine weitreichende Wirkung hat. Um die allgemeine wirtschaftliche Aufstellung Südostasiens hinsichtlich Investionsvolumen, landwirtschaftlicher Entwicklung, Ressourcen etc. beschäftigten wir uns intensiv im Modul “Business Economics”. Persönlich sehr aufschlussreich und interessant empfand ich das Interview mit einem ausländischen Unternehmer, das wir im Rahmen von “Intercultural Leadership” absolvieren mussten. Hierbei ging es vorrangig darum, zu erfahren, wie die jeweilige Geschäftsperson die Unterschiede zwischen den Kulturen auffasst, Diversity im Unternehmen lebt und Vor- sowie Nachteile dabei bei der Mitarbeiterführung sieht. Unsere Indonesisch Sprachkenntnisse erlernten wir in “Intercultural Management”, welches auch das wochenstundenintensivste Modul war. Jeden Mittwoch wurden Gastdozentenvorlesungen organisiert. Es kamen Vertreter der unterschiedlichsten Branchen und referierten zu meist sehr spannenden Themen. So wurden beispielsweise Vorlesungen über Tropenkrankheiten, Geschäftsbeziehungen in Asien, Recht und Gesetz in Indonesien, der Einwanderungspolitik oder aber Vulkane und Umweltkatastrophen abgehalten.

Das Campusgelände war optisch sehr ansprechend gestaltet: die Gartenanlage mit Wiesen, kleinen Büschen und Bäumen war sehr gepflegt und stets ordentlich. Wir hatten insgesamt 2 Gebäude, in denen sich auch die Dozentenräume, das Sekretariat und die für uns zuständige Visastelle befanden. Verlaufen konnte man sich also nicht wirklich. Es gab zudem auch ein Campus-Café, das die Studenten mit Kaffee- und Saftvariationen sowie Gebäckteilchen versorgte. Unweit der Uni waren kleinere Warungs vorzufinden, in denen wir des Öfteren gut zu Mittag aßen.

Donnerstags fanden immer Exkursionen statt, die entweder zu Unternehmen führten und den Kerngedanken verfolgten, uns Studenten zu vermitteln “how to run a business in Bali”, oder aber sie führten uns das kulturelle Erbe Balis näher. So waren wir beispielsweise auf einer Luwak-Kaffeeplantage, in einer Tauchterminal Resortanlage, beim Indonesia Tourism Development Center, im Bali Museum und im Bajra Sandhi Monument.

 

Alltag und Freizeit 

Ein Auslandssemester dient natürlich auch dazu, sich ausführlich mit Land und Leuten auseinander zu setzen und in die Kultur einzutauchen. Ich unternahm sehr viele Ausflüge auf Bali selbst und auch zu den kleineren Nachbarinseln Nusa Lembogan oder Gili Air. Tagestouren machten wir häufig in einer Kleingruppe, sodass man sich einen Fahrer mit Auto teilen konnte und nicht selbst im dichten Verkehr der Insel Roller fahren musste. Unzählige Tempel, atemberaubende Königspaläste, niedliche Dörfer, endlose unter UNESCO Welterbe stehende Reisterassen und aufregende Wasserfälle lagen auf unseren selbstgeplanten Routen. Sportliche Highlights waren die Vulkanbesteigung bei Sonnenaufgang (eine von Studenten organisierte Exkursion), die erste Surfstunde und die Raftingtour durch Dschungeldickicht nahe Ubud. Die Strände im Süden Balis erkundeten wir umfassend und können uns nun fast schon als Beachinspectoren bezeichnen. Erstaunlich war auch immer wieder die Vielfalt der Insel zu sehen: zwischen dem touristischen Süden mit seinen westlichen Einflüssen und dem unberührten, bergigen, natürlichen Norden liegen Welten. Diese Gegensätze waren jedes Mal auf ein Neues aufregend.

 

 

Fazit/Kritik

Beste Erfahrung: Lächeln! Obwohl die meisten Menschen auf Bali in einfacheren Umständen leben, als wir es aus Deutschland gewohnt sind, sehen sie immer zufrieden aus und sind positiv gestimmt. Meine beste Erfahrung war vermutlich, dass wir als ausländische “Touristen” mit einem kleinen Anlächeln auf der Straße die Balinesen sehr glücklich stimmen. Das sieht man ihnen immer sofort an und hat mich wiederum im Umkehrschluss sehr nachdenklich gemacht, was ein einfaches Lächeln bewirken kann. Kleine Gesten bewirken Wunder und mit so einfachen Mitteln – dazu zählt auch die Bereitschaft Fotos zu machen, wenn man gefragt wird – Menschen glücklich zu machen, ist einfach großartig. Die Balinesen fühlen sich dadurch sehr wertgeschätzt und als Mensch “gesehen” und nicht nur als Einheimische oder minderwertig uns gegenüber. Denn was wir auch vielfach festgestellt haben, dass die Menschen hier wenig Selbstbewusstsein haben und oft unsicher sind.

Schlechteste Erfahrung: Zuverlässigkeit! Trotz Wissens über die kulturellen Unterschiede Indonesiens zu Deutschland und anfänglicher Offenheit und Geduld, wurde es mit der Zeit sehr anstrengend, wenn kurzfristig Termine abgesagt wurden. Sei es von Fahrern, die für eine Tour gebucht wurden, oder von Dozenten, die kurzfristig nicht zur Vorlesung erschienen. Aufgrund der starken Religiösität (auf Bali ist der Hinduismus die vorherschende Glaubensrichtung).

Fazit: Ein Auslandssemester auf Bali ist anders als ich es mir anfangs vorgestellt habe. Fast jeder hatte hier, obwohl wir alle Vielfachreisende sind, anfänglich Eingewöhnungsschwierigkeiten mit der neuen Kultur und temporären Heimat fernab vertrauter Umgebung. Die Einblicke, die ich allerdings durch meinen mehrmonatigen Aufenthalt gewinnen konnte, sind tiefer, als sie je ein Tourist bekommen könnte. Wir haben trotz relativ kurzer Zeit Land und Leute intensiv studiert und sehr viel an Erfahrung, insbesondere im interkulturellen Kontext, mitgenommen. Für mein Studium und meinen zufünftigen Karriereweg hat es sich dieses Semester jetzt schon sehr gelohnt. Und das PROMOS-Stipendium hat mir die Möglichkeit gegeben, dieses Abentuer zu verwirklichen.

Facts

Studienfach Internationales Tourismusmanagement
Land Indonesien
Partneruniversität Udayana University
Studienjahr WS 2018/2019
Angestrebter Abschlussgrad Master of Arts
Facebooktwittergoogle_pluspinterestlinkedintumblrmail