Auslandssemester in Bali

Ein Auslandssemester auf Bali: Das bedeutete für mich vor allem, raus aus der eigenen Komfortzone und rein in den mir bisher nur von der Landkarte bekannten  südostasiatischen Raum!

Aufgrund der stark international geprägten Ausrichtung meines Studiengangs „Internationales Tourismusmanagement“ ist ein Auslandsaufenthalt im Rahmen des Studiums für alle Studenten Pflicht. Doch wo  sollte  die  Reise  hingehen? Da ich vor meinem Auslandssemester noch nie die Grenzen Europas verlassen hatte, zog  es mich in die „Ferne“. Angesichts zahlreicher positiver Erfahrungsberichte von Kommilitonen entschied ich mich schließlich für das Studienprogramm International Business Studies Network und somit für ein Auslandssemester auf Bali.

Doch bevor man wirklich im Flieger sitzt und sich auf den Weg in das 10.000 Kilometer entfernte Indonesien macht, gilt es einige organisatorische Dinge zu erledigen: Hierzu zählt natürlich zunächst die Bewerbung für einen Platz im Studienprogramm von IBSN.

Hat man diesen in der Tasche, müssen diverse Papiere bei der indonesischen Botschaft beantragt wer- den. Darüber hinaus sollte man sich rechtzeitig darüber informieren, welche Impfungen für einen längeren Aufenthalt in Sudostasien empfohlen werden. Neben dem unerlässlichen Abschluss einer Auslandskrankenversicherung, ist auch der Erhalt eines internationalen Führerscheins sinnvoll – so kann man sich später auf der Insel unabhängig mit dem Roller bewegen. Des Weiteren ist es ratsam sich von Deutschland aus um eine Unterkunft für die ersten paar Tage zu kümmern und sich anschließend vor Ort eine dauerhafte Bleibe zu suchen.

Nach einer Vorbereitungszeit  von ca. sechs Monaten ging es Anfang September für mich und drei weitere Kommilitonen mit Studentenvisum, jeder Menge Vorfreude und auch ein bisschen Nervosität im Gepäck in das Urlaubsparadies Bali.

Mit Hilfe einer Maklerin fanden wir in der ersten Woche eine nette Unterkunft nahe unserer Universität für ca. 400€ pro Person. Je nach Präferenz kann man auf Bali in Hotels, Gemeinschaftsunterkünften oder Villen wohnen. Ob mit Pool, hauseigenen Angestellten oder Wäscheservice – die Möglichkeiten sind vielfältig.

In den ersten Tagen prasselten die verschiedensten Eindrucke auf uns ein: Auf der einen Seite natürlich die für Bali prädestinierten Sandstrände, grüne Reisterrassen und zahlreiche Tempel. Auf der anderen Seite jedoch war schnell klar, dass nicht alles Gold ist was glänzt. An vielen Ecken Balis begegnet man starker Müllverschmutzung, kranken Straßenhunden, armen Leuten etc.  Ebenfalls sehr gewöhnungsbedürftig ist der chaotische Verkehr auf der Insel. Doch nach einiger Zeit wird dieser Trubel fast zur Gewohnheit und mit ein bisschen Übung entdeckte ich sogar eine Art „System“ in der Fahrweise der Balinesen.

Das Studium an der Udayana Universität findet für ausländische Studenten an einem eigenen Campus statt, sodass man bedauernswerter- weise kaum mit einheimischen Studenten in Kontakt kommt. Die Vorlesungen finden an drei Tagen der Woche in englischer Sprache statt. Im Modulplan stehen verschiedenen Management– und Wirtschafts- Vorlesungen, für die einige Präsentationen und Ausarbeitungen vorzubereiten sind. Als das herausforderndste Fach unseres Studiengangs empfand ich „Bahasa Indonesia“. In dieser Vorlesung lernten  wir die Grundlagen der indonesischen Sprache, was im Alltag durchaus hilfreich sein konnte. Auch wenn das Unterrichtsniveau der Udayana Universität nicht mit dem einer deutschen Universität zu vergleichen ist, bemühten sich die Professoren stets den Studenten den Unterrichtsinhalt verständlich zu vermitteln und Diskussionen anzuregen. Da die Vorlesungen an nur drei Tagen in der Woche stattfanden, blieb uns genug Zeit, Land und Leute kennenzulernen.

Die Balinesen sind überwiegend ein sehr gastfreundliches Volk, das sich stets über das Interesse der Touristen an ihrer Kultur freut. 90 Prozent der Balinesen bekennen sich zum Hinduismus. Religiöse Riten sowie zahlreiche Zeremonien begleiten die Menschen von Geburt bis zum Tod und darüber hinaus. Überall auf der Insel sind Opferschalen und Schreine gegenwärtig, denn die Balinesen glauben, dass die sichtbare materielle Welt stets von einer unsichtbaren, geistigen Welt durchdrungen ist. Aus diesem Grund wird Bali auch als „Insel der Götter und Dämonen“ bezeichnet. Das auf Grundlage ihrer Religion basierende, ganz bestimmte balinesische „Lebensgefühl“ ist für uns gehetzte Europäer eine ganz neue Erfahrung. So kann es schon einmal vorkommen, dass eine Vorlesung spontan ausfällt oder das Wasser in der Unterkunft tagelang nicht fließt. Dann gilt es, ganz nach balinesischer Art, entspannt und ruhig zu bleiben!

Trotz meiner anfänglichen Skepsis bezüglich eines Auslandssemesters auf Bali habe ich meine Entscheidung nicht bereut. Die einzigartige Kultur, Natur und Lebensweise der Insel versprechen ein unverwechselbares Erlebnis. Im Zuge eines viermonatigen Aufenthaltes die eigene Komfortzone zu verlassen, sich selbst besser kennenzulernen und neue Perspektiven zu gewinnen, schätze ich als seltene Gelegenheit.

Besonders nachhaltig beeindruckt an Bali hat mich die einzigartige, traumhaft-tropische Natur. Zahlreiche Traumstrände, Berge, Vulkane und Reisfelder gibt es zu entdecken. In Erinnerung bleiben wird mir das Schnorcheln im Norden Balis und das Beobachten des Sonnenaufgangs über der Insel nach einem anstrengenden Aufstieg auf den Vulkan Batur.

Das Auslandssemester auf Bali mit all seinen Höhen und Tiefen (Rollerunfälle, Krankheiten, Kakerlaken etc.) gemeistert zu haben, verbinde ich mit einem unermesslichen Erfahrungswert für meinen weiteren privaten als auch beruflichen Lebensweg. Ich werde immer an das Auslandssemester als eine der prägendsten und schönsten Zeiten meines Lebens zurückdenken und bin sicher, dass dies nicht meine letzte Reise nach Asien gewesen sein wird.

Ein Bericht von Anthea Fiedler

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