BALI Special – Indonesia vs. Germany

Gastbeitrag von Sophia Scholz:

Habt ihr jemals ein komplett anderes und neues Land erkundigt und seid in eine völlig umgekehrte, verrückte Welt gestolpert?

Genauso startete mein Trip in Bali: faszinierend, verrückt und natürlich auf den Kopf gestellt.

Sophia in IndonesienIch heiße Sophia, bin 23 Jahre alt und studiere Kultur und Management in Görlitz im dritten Semester. Meinen Aufenthalt habe ich vorgezogen in das dritte Semester und habe es nicht einen Moment bereut. Somit konnte ich ein wunderbares halbes Jahr von September 2015 bis Februar 2016 auf Bali verbringen.
Als ich vor fünf Monate nach Bali kam, war ich zuerst ernüchtert.

In meinen Vorstellungen erschien mir Bali als einzigartige, paradiesische Insel mit weißen Stränden, hellblau – türkisen Wasser und vor allem ruhig.

Im Vergleich zu Deutschland erschien es mir als laut, dreckig, hektisch und ich ertappte mich dabei, mich zu fragen, wer hier leben wollte.

Aber nach insgesamt fünfmonatigen Aufenthalt kann ich mir dieselbe Frage für Deutschland stellen.

BaliTimesMeine ersten Eindrücke hatten sich sehr schnell aufgehoben und die Traumstrände mit weißem Sand und türkisen Meer waren schnell gefunden.

Die Art und Weise in Bali zu leben fasziniert mich noch immer. Stress scheint hier ein Fremdwort zu sein. Vieles ist einfacher – die Menschen arbeiten zusammen als  Team, scheinbar ohne Druck und die nie endende gute Laune steckt an…
Niemand in Deutschland würde mir glauben, wie ich in Bali gelebt habe. Ich bin insgesamt neun Mal umgezogen und meistens hatte ich kaum Wände, umso mehr offene Räume und somit sehr viele exotische Tiere um mich herum.

In Deutschland werden Papiere benötigt und Verträge liebend gern für alles geschlossen. Auf Bali reicht es, wenn man Geld hat und dieses vorzeigen kann – damit regelt sich schnell alles. Korruption ist somit natürlich noch immer ein großes Thema. Ehrlich gesagt macht es vieles einfacher, so schlimm das klingt. Die Absurdität dieses Beispiels ist, dass manchmal weniger Regeln ein besseres Endergebnis erzeugen. Und von diesen „weniger Regeln“ gibt es hier eine ganze Menge und es funktioniert in sehr vielen Bereichen. Darüber sollten wir nachdenken als  von Regeln überschwemmtes Deutschland.

Stellt Euch vor, unser Verkehr würde wie in Indonesien funktionieren: Laut, hektisch und chaotisch. Es gibt keine klaren Regeln aber eine Menge Unausgesprochene. Die Geschwindigkeit spielt keine Rolle, das Wichtigste: sei schnell!

Sicherheit ist interpretierbar. Natürlich könnt ihr Euch die Mühe machen, einen Helm zu tragen aber ihr könnt es auch lassen. Im Prinzip ist es egal und selbst überlassen.

Kommen wir zu Alkohol am Steuer: Wenn ihr alles unter Kontrolle habt, ist es gut. Wenn nicht, ist es ebnfalls okay aber ihr werden höflich dazu aufgefordert ein wenig vorsichtiger zu fahren.

Auf Gili Trawangan, einer kleinen Insel östlich von Bali sind das einzige Transportmittel Pferdekutschen. Was für ein Lebensstil!

Bali-MopedtourZu guter letzt: Dachtet ihr wirklich Mopeds sind ein zwei Personen Transportmittel? Weit gefehlt. Zur balinesischen Art des Transports gehören mindestens drei bis fünf Personen auf einen Roller – am Besten mit irgendeinem Haustier (ganz egal, welches) und ein sperriger Gegenstand wie zum Beispiel Bambusrohre, Fensterscheiben, Klimaanlagen, etc. Die Liste ist lang.

In Deutschland würden wir dafür wahrscheinlich direkt ins Gefängnis wandern. Fast zumindest.

Auf Bali gibt es andere Dinge, für die man verhaftet wird. Drogen sind mehr als untersagt, genauso wie Sex in der Öffentlichkeit.

Die Mentalität könnte nicht aufregender und unterschiedlicher im Vergleich zu Deutschland sein. Es ist nicht nur die Leidenschaft für die umwerfenden Landschaften, vielmehr die andere Denkweise der Menschen hier. Natürlich kann ich nur mutmaßen aber für mich bilden die Einheimischen eine große Gemeinschaft. Niemand interessiert es, Dinge allein anzupacken. Gemeinschaftlich ist das Motto.

Bali-LichterzauberZeremonien oder Tempelfeste werden immer zusammen vorbereitet. Hierfür spielt es keine Rolle, ob man einen Job hat oder nicht. Jeder muss mithelfen und sich dafür freie Zeit einrichten.

Man muss etwas für die Gemeinschaft leisten und das wird von Niemandem in Frage gestellt, viel mehr ist es ein Vergnügen.

Genauso wie der Verkehr für mich ein Augen öffnendes Beispiel ist. Er scheint wie ein großes Chaos aber jeder sorgt sich um seine Mitmenschen in einem sehr entspannten, freundlichen Umgang. Genauso funktioniert es: Gemeinschaftlich, sich sorgend und über allem Akzeptanz.

Die positiven Schwingungen sind ansteckend. Mein Tagesablauf im Vergleich zu Deutschland konnte kaum unterschiedlicher sein. Frühes Aufstehen war kein Problem mehr, vielmehr ein Muss um mehr von dem sonnigen Tag zu haben, denn die Zeit ging viel zu schnell vorbei.

Ein weiteres Beispiel, wie man hier ganz schnell zu einem Star wird:

Egal, wo man sich aufhält, man ist immer eine kleine Attraktion. Nicht selten starren die Einheimischen Dich an und wollen Fotos mit Dir machen. Das ist bestimmt nicht böse gemeint, vielmehr Interesse und Faszination. Einfach freundlich in die Kamera lächeln!

Bali-WasserfallDennoch kann es schwer sein, echte Kontakte zu knüpfen. Der Grad zwischen Freundschaft und Geld verdienen liegt oftmals sehr nah beieinander. Dennoch findet man die richtigen Freunde.

Zum Thema Geld: Es ist nicht so leicht, es beisammen zu halten. Theoretisch kann man einigermaßen billig leben aber praktisch eher nicht. Das Nachtleben, Essen, Shopping, Reisen, Aktivitäten summieren sich am Ende. Aber man ist ja vor allem zum Genießen hier.

Etwas ganz Neues musste ich hier ebenfalls schnell lernen: Geduld!

Egal, was es ist – man wartet für einfach alles und es kostet viel Geduld. Am besten nicht gereizt reagieren, es wird nichts verändern. Einfach entspannt sein und sich freuen, dass man im Paradies sein darf.

Apropos Zeit: Auf Bali ist es sehr wichtig, Gott Geschenke zu widmen und das kostet viel Zeit. Diese bestehen aus kleinen Bananenblattkörbchen gefüllt mit Blumen, Geld, Crackern und Räucherstäbchen. Die Pressente werden täglich neu gebastelt und das ganze Jahr lang. Weiterhin wird sehr viel Zeit zum Beten gespendet.  Die Zeit ist demnach kulturabhängig.

Wenn man erst einmal die ersten Impressionen verarbeitet hat wird man schnell feststellen, das anscheinend jeder den selben Namen trägt (Nachdem man dem fünften Made über den Weg gelaufen ist). Hierfür gibt es eine einfache Erklärung: Die Namen werden nach der Geburtsreihenfolge vergeben und es ist egal, ob männlich oder weiblich. Es stehen jeweils zwei Namen zur Auswahl.  (Von eins bis vier: Wayan oder Putu, Made oder Kedat, Nyoman oder Koamang, Ketut.) Zur Bestimmung des Geschlechts gibt es einen jeweiligen Zweitnamen. Gibt es mehr als vier Kinder, wird erneut beim ersten Namen angefangen.

Auf Bali hat der Tourismus ganz klar die Oberhand. Strände, Unterkünfte, Essen, Aktivitäten.. Alles ist für die zahlreichen Urlauber ausgelegt und es fehlt an nichts.

Das kann manchmal ganz schön anstrengend sein, da jeder seine Waren bestmöglich verkaufen möchte, ist aber ebenfalls abhängig vom Ort.

Um in die Arbeitswelt einzusteigen helfen auch hier Beziehungen.

Bali-EssenIch möchte mit der balinesischen Esskultur enden. Das Angebot an Essen ist überfordernd und unglaublich lecker. Die Schere von günstig zu teuer ist breit. Man kann in Restaurants essen gehen, in den sogenannten kleinen, günstigen Warungs oder auf Märkten.

Typisch und lecker ist „Nasi Campur“ – Reis mit Gemüse, Hühnchen und Sambal. Das gibt es ebenfalls in den zwei Unikantinen für 30.000 Rp. (2€).

Bei uns gilt Essen als ein Vergnügen, hier ist es mehr ein Prozess. Gegessen wird, weil der Körper Energie braucht. In balinesischen Familien wird hierfür ein großer Topf mit Reis gekocht und jeder isst, wann er möchte bzw. wenn er hungrig ist – allein.

Die Einheimischen essen oft mit den Händen – am besten ausprobieren, Spaß haben und eine große Sauerei machen.

Bali-SonneDas Motto lautet: Man ist in einem der schönsten Plätze der Welt. Nicht viel Zeit verschwenden, indem man nach Unterschieden sucht. Einfach jeden Moment bestmöglich genießen – es könnte die Reise Deines Lebens werden.

PS: Stellt Euch vor in ganz Deutschland wäre über zwanzig Minuten ein Stromausfall – das würde niemals passieren! Hier umso öfter. 🙂

Praktische Tipps vor, während und nach der Reise:

Bafög: (sechs Monate vorher) Unbedingt probieren – Auslandsbafög wird anders berechnet als das „Normale“.

Stipendium: Hier gibt es Zahlreiche – informieren und für alles bewerben!

Impfen: (am Besten drei Monate vorher) Hepatitis A und B, Tollwut, Japanische Enzephalitis, Typhus, Cholera.

Visum: (drei Monate vorher) am Besten das Studentenvisum vorher beantragen. Viele Studenten hatten hier Problem und mussten aller einem Monat wieder ausreisen bzw. kamen überhaupt nicht an.

Führerschein: Ein internationaler Führerschein kann bestimmt in Notfällen weiterhelfen, gebraucht habe ich ihn nie. Die Ausrede, dass man Student an der Universitas Udayana ist, hat bis jetzt bei jedem Polizisten geholfen.

Transport: Moped! Immer darauf achten, dass das Kennzeichen noch immer gültig ist und die entsprechenden Papiere vorhanden sind. Ansonsten gibt es zwei wunderbare Apps. Zum einen Uber – die günstigsten Taxis vor Ort, kommen auf Bestellung zuverlässig und schnell. Zum Anderen GoJek – die günstigsten Rollertaxis für 10.000 Rp (circa 70 Cent).

Geld: Uns wurde gesagt, wir sollten unser Geld direkt am Flughafen wechseln. Davon rate ich ab – der Kurs ist viel zu schlecht, lieber direkt am Flughafen einen ATM (Geldautomat) aufsuchen und Geld abheben.

Handy: Niemals mit dem Handy auf dem Roller sitzen und sich navigieren lassen. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass es dann ganz schnell weg ist. (Genauso wie im Club) Mir und vielen weiteren wurde es direkt in der ersten Woche vom Roller geklaut, ebenfalls Rucksäcke. Navigieren lassen per Kopfhörer und Handy in den Rucksack. Diesen am besten zwischen die Füße. Ansonsten in das Helmfach. Simkarten gibt es fast überall (Pulsashops) – 100.000 Rp. (6€) für Internet 4G und Telefonieren.

Wohnen: Zur Auswahl stehen von Norden nach Süden Changgu, Kerobokan, Seminyak, Legian, Kuta und Jimbaran.

Changgu ist wunderschön und zum Surfen bestens geeignet. Es ist grün, ruhig und alternativ und nah gelegen am Meer. Leider ist es zu weit von der Universität entfernt. Circa eine Stunde Fahrtzeit.

Kerobokan befindet sich entfernt vom Meer. Es ist kaum touristisch aber für mich ebenfalls zu weit von der Uni entfernt.

Seminyak ist ruhiger als Legian und Kuta ud mein persönlicher Favorit zum Wohnen. Die Fahrtzeit zur Uni beträgt an guten Tagen 30Minuten und an Tagen mit Verkehr vor allem von der Uni zurück etwas mehr. In Seminyak kann man gut surfen, genial essen, shoppen, feiern gehen und entspannen.

Legian und Kuta nehmen sich nicht sehr viel – es ist überfüllt, laut, hektisch und viel zu touristisch.

Jimbaran befindet sich direkt an der Universität. Es gibt schöne Strände. Ich denke, es ist zu ruhig und zu abgelegen.

Regenzeit: Diese fing erst im Dezember nach unserem Semester an. Wir habe genau zwei Regengüsse erlebt (für ein paar Minuten). Im Februar sah das dann schon etwas Anders aus.

Zurück zu Hause: Die meisten Studenten waren pünktlich am 24. Dezember zu Hause in Deutschland. Das würde ich unbedingt vermeiden – denn man hat noch zwei Monate Zeit zum Reisen. Ich war im Februar zu Hause und hätte es nicht anders machen wollen.

Impfungen überprüfen lassen und gegebenenfalls auffrischen lassen und sich einmal komplett durchchecken lassen.

Bali-Beach

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