Kroatien-Exkursion 2015

Ein Beitrag von unserer Gast-Bloggerin Katrin, Masterstudentin im Studiengang “Biotechnologie und Angewandte Ökologie”.

Wie jedes Jahr wird den Ökologie-und-Umweltschutz-Studenten der Hochschule Zittau/Görlitz eine meeresbiologische Freilandexkursion angeboten. Vom 23.08. – 30.08.2015 ging es an die Adria, nach Kroatien. Sinn und Zweck dieser wunderbaren Angelegenheit ist es, die sensiblen Ökosysteme des Meeres kennenzulernen. Dabei werden neben der Erforschung der mit bloßem Auge sichtbaren Flora und Fauna auch die kleineren Lebewesen, das Plankton, untersucht. Als Öko-Studentin musste ich eine solche Exkursion wenigstens einmal mitgemacht haben und ich kann euch sagen, es hat sich definitiv gelohnt!

Insgesamt waren wir eine Woche unterwegs, wobei zwei Tage jeweils für An- und Abreise mit Reisebus verplant waren. Hört sich erstmal furchtbar an, war es aber nicht. Natürlich war die Reise sehr langwierig, aber dafür konnte man schon auf der Fahrt Richtung Mittelmeer mit Überquerung der Länder Tschechien, Österreich, Slowenien und schließlich Kroatien ein wunderbares, sich langsam veränderndes Landschaftsbild wahrnehmen. Als kleinen Zeitvertreib erhielt jeder zuvor ein Vortragsthema, was mit dem Mittelmeer zu tun hatte. Etwa ab Prag durfte jeder seinen Vortrag vorne im Bus mit Mikrofon und Bildübertragung über TV halten – war irgendwie lustig. In Wien legten wir einen Zwischenstopp mit Übernachtung ein: Eine wunderschöne Stadt – ich wäre gerne länger geblieben!

Stephansdom am Stephansplatz

Stephansdom am Stephansplatz

Naturhistorisches Museum am Maria-Theresien-Platz

Naturhistorisches Museum am Maria-Theresien-Platz

Volksgarten Wien

Volksgarten Wien

Wien und seine wunderschönen Gassen

Wien und seine wunderschönen Gassen

Nachdem wir Ökologen aller Jahrgänge die Stadt unsicher gemacht haben, ging es am nächsten Morgen weiter nach Pula. Sofern man nicht die ganze Fahrt verpennt hatte, konnte spätestens ab Slowenien eine weitreichende Waldlandschaft beobachtet werden, außerdem wurde es zunehmend bergiger. Die riesigen landwirtschaftlich genutzten Felder wurden vermehrt durch kleinere Polykulturen abgelöst, was dem Auge des kritischen Ökologen schon etwas mehr zusagt.

An der Grenze Slowenien – Kroatien legten wir einen kurzen Stopp zum Geldtausch ein. Man konnte das Meer bereits riechen und wenig später, bei der Überfahrt der Anfänge des Dinarischen Gebirges, auch endlich sehen. Bei unserer Ankunft in Pula und auf der Suche nach der Meeresschule wurden wir freundlich durch die kleinen engen Gassen empfangen – sie wollten uns und den großen Reisebus fast gar nicht mehr hergeben. Gott sei Dank hatten wir einen erfahrenen Busfahrer am Steuer, der uns – keine Ahnung wie – aus den Fängen der Tommaseova ulica manövrierte.

Erster Blick auf die Bucht nach der Ankunft

Erster Blick auf die Bucht nach der Ankunft

Die Jugendherberge lag praktischerweise direkt neben der Meeresschule in der Bucht. Es konnten hier einige schöne Sonnenuntergänge bestaunt werden.  Es konnten hier einige schöne Sonnenuntergänge bestaunt werden. Wie zum Beispiel diesen hier:

Sonnenuntergang mit Blick aus der Bucht

Die Fahrt nach Pula hatte insgesamt etwas länger gedauert als eigentlich geplant war und somit hatten wir an dem Abend quasi „nur noch“ Freizeit, die daraus bestand, noch schnell das Abendessen abzugreifen, die Zimmer zu beziehen und den Reisebus von unseren mitgebrachten Binos, Mikroskopen sowie Bestimmungsbüchern zu befreien. Außerdem ließ uns die Meeresschule durch einen kleinen Vortrag willkommen heißen und wir besprachen die nächsten Tagesplanungen. Auf dem Programm standen: Theorie – was wir möglicherweise im Wasser sehen werden; selbstverständlich aktives Schnorcheln – was wir also tatsächlich sehen und schließlich die Auswertung in Form von Artenlisten – muss ja alles dokumentiert werden!

Zwei Tage lang wurden wir durch die netten Mitarbeiter der Meeresschule begleitet. Sie waren mit uns zusammen in kleinen Gruppen im Wasser unterwegs. Sie zeigten uns am ersten Tag (Tag 3) die “hauseigene” Bucht, wo wir uns außerdem auch erst noch “einschnorchelten”. Wenn wir etwas sahen, erklärten sie uns mit Begeisterung alles was wir wissen wollten.

Und das (und noch viel mehr) konnten wir sehen:

Schwarze Seeigel

Schwarze Seeigel

Ringelbrasse

Ringelbrasse

 

Nachmittags schauten wir uns die Seegraswiesen in einer anderen Bucht an. Seegraswiesen scheinen auf den ersten Blick vielleicht etwas langweilig zu sein, denn wenn man wirklich etwas sehen möchte, braucht man schon ein geübtes Auge und zudem ein gesundes Lungenvolumen, um lange genug Unterwasser bleiben zu können. Hier kann man nämlich unter anderem Seenadeln und Seepferdchen entdecken, natürlich gehört auch etwas Glück dazu…

Seegraswiesen kommen nur in wenigen Küstengebieten der Welt vor, u. a. aber in der Adria vor der kroatischen Küste. Sie bilden ganz besondere Ökosysteme auf sandigem Untergrund. Außerdem bilden sie hervorragende Nahrungs- und Versteckmöglichkeiten und sind die Kinderstube vieler Fisch-, Krebs- und Weichtierarten. Leider sind diese wunderbaren Ökosysteme stark im Rückgang begriffen. Die weiten Grasteppiche sind heute nur noch als Reste vorhanden. Schuld sind v. a. Eutrophierung und Wasserverschmutzungen, die das Wasser trüben, sodass die lichtbedürftigen Pflanzen nicht mehr wachsen können. Aber auch im großen Stil Schleppnetze, Anker und Baumaßnahmen führen zum Absterben und dauerhaften Verschwinden der Seegraswiesen.

Natürlich haben wir nach unserem Schnorchelgang in den Seegraswiesen noch ein paar Pröbchen fürs Mikroskop von der Meeresschule mitbekommen, sodass auch die kleinsten, in dem Neptungras lebenden Organismen Beachtung finden. Schon witzig so eine kleine Turbanschnecke (Monodonta turbinata) oder Seegrasgarnele (Hippolyte inermis) aus nächster Nähe anzusehen. Insgesamt konnten wir über zwanzig verschiedene Arten – sowohl Tierchen als auch Algen – unter dem Mikroskop bestimmen. (Danach sind übrigens alle Bestaunten wieder wohlerhalten ins Meerwasser entlassen worden.)

Tag 4 und es stand Grottenschnorcheln und Planktonbestimmung auf dem Programm. Dafür sind wir mit zwei Booten rausgefahren. Das Grottenschnorcheln sollte uns in erster Linie die sich verändernde Fauna sessiler Filtrierer, Strudler und Tentakelfänger in Abhängigkeit der Wasserströmung und Lichtverhältnisse aufzeigen. Schwämme und Seepocken bspw. kommen als Filtrierer eher am Grotteneingang vor. Die Gelbe Krustenanemone (Parazoanthus axinellae) wurde jedoch auch am Ende der Grotte noch gefunden, wo schon gar keine Schwämme mehr anzutreffen sind.

Die Planktonproben wurden auf dem Rückweg vom Boot aus mitgenommen. Es wurden Proben vom Oberflächenwasser und Proben aus 7 m Tiefe entnommen. Außerdem wurde die Abiotik – also pH-Wert, Leitfähigkeit, Salinität und Wassertemperatur – gemessen. Unsere Bestimmungen des Planktons ergaben über 30 verschiedene Arten allein vom Oberflächenwasser. Der Artenreichtum in 7 m Tiefe war erwartungsgemäß etwas geringer, da mit jedem Meter Tiefe auch die Strahlungsintensität abnimmt.

Vor dem Eingang zur Grotte

Vor dem Eingang zur Grotte

Grottenschnorcheln

Grottenschnorcheln

Seeanemone im hinteren Teil der Grotte

Seeanemone im hinteren Teil der Grotte

 

Tag 5 unserer Reise und es ging zum Kap Kamenjak, der südlichen Spitze Istriens. Natürlich wurde auch hier wieder geschnorchelt und eine Artenliste erstellt. Mit einigen Arten kannte man sich nun ja auch schon recht gut aus, sodass es gleich doppelt so viel Spaß machte. Für mich persönlich war dies die schönste Stelle zum Schnorcheln, die wir bisher gesehen haben. Man konnte in dem klaren Wasser eine unglaubliche Fülle an Arten sehen, durch eine weitere Felsengrotte schwimmen und über einem atemberaubenden Felsengrund schnorcheln.

Italienischer Taschenkrebs

Italienischer Taschenkrebs

Rotalgen

Rotalgen

Eine wunderschöne Spiegeleiqualle

Eine wunderschöne Spiegeleiqualle

Rotalgen

Rotalgen

Das Kap Kamenjak gilt in Kroatien als geschützte Naturlandschaft und genießt somit gesetzlichen Schutz; ist jedoch für Urlauber frei zugänglich – sogar mit dem Auto gegen geringe Gebühr (selbstverständlich) befahrbar. Nach dem Schnorchelausflug hieß es für uns die hier vorherrschende mediterrane Garrigue-Vegetation zu erkunden; so ganz nebenbei hat sich der ein oder andere auch auf die Fauna konzentriert. Neben der zunächst geglaubten Grasschneiderameise, welche sich dann aber (möglicherweise! genaue Bestimmung war nicht möglich!) als omnivore und hier heimische Pheidole pallidula entpuppte, entdeckten wir u. a. die im trockenen Gras gut getarnte Mittelmeer-Turmschrecke (Acrida ungarica mediterrane), die Nasenschrecke (Acrida ungarica), die Schönschrecke (Calliptamus italicus), einen Segelfalter (Iphiclides podalirius) u. v. m., was das Entomologenherz schon mal etwas höher schlagen ließ. Die Botaniker unter uns (nein, eigentlich wir alle zusammen) konnten knapp 40 verschiedene Pflanzenarten auf dem Weg von der Felsenküste bis zum Parkplatz, wo der Reisebus auf uns wartete, bestimmen.

Die mediterrane Vegetation

Die mediterrane Vegetation

Nasenschrecke

Nasenschrecke

Mittelmeer-Turmschrecke

Mittelmeer-Turmschrecke

Ökologen bei der Bestimmung

Wir Ökologen bei der Bestimmung

Der letzte Tag (Tag 6) in Pula konnte von uns frei gestaltet werden. Aber ich glaube so ziemlich alle von uns sind nochmal schnorcheln gewesen. Abends sind wir gemeinsam als Gruppe in die Stadt gefahren, haben zusammen gegessen und uns noch ein paar letzte schöne Erinnerungen aus der ebenfalls sehr interessanten Stadt eingeholt.Unserer Rückreise führte uns die gleiche Strecke zurück, allerding mit echt lohnenswertem Zwischenhalt in Postojna, Slowenien. Dort haben wir uns ein atemberaubendes Höhlensystem angeschaut. Zwei Stunden lang ging die Führung durch diese Tropfsteinhöhle, entlang an massiven Stalagmiten und Stalaktiten.

Vielen Dank an M. Auerswald und E. Baumgartner für die tollen Unterwasserbilder! Und vielen Dank an den Rest der Truppe für die schöne gemeinsame Zeit.

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