Studienreise nach Almaty

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7 Studierende des Studienganges „Integrierte Managementsysteme“ verbrachten im September 2015 eine ereignisreiche Woche an der Deutsch-Kasachische Universität (DKU) in Almaty. Thema der Studienreise war der Austausch mit Studenten und Dozenten des dortigen Bachlorstudienganges „Energie- und Umwelttechnik“ sowie mit Vertretern kasachischer und deutscher Firmen über rechtliche, technische und wirtschaftliche Aspekte von Umwelt-, Energie-, Arbeitsschutz- und Qualitätsmanagementsystemen.

In Vorlesungen und Seminaren, bei Planspielen, Betriebsexkursionen und Expertengesprächen wurden nicht nur Unterschiede, sondern auch Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Ländern festgestellt. Ähnlich wie in deutschen Unternehmen sind Qualitätsmanagementsysteme in kasachische Unternehmen etabliert – Umwelt-, Energie- und Arbeitsschutzmanagementsysteme sind weniger verbreitet. Während in Kasachstan einerseits Anreize für umweltgerechtes Verhalten fehlen, z. B. aufgrund der niedrigen Kosten für den Verbrauch von Ressourcen und einer sich erst entwickelnden Infrastruktur, z. B. für die getrennte Sammlung und Verarbeitung von Abfällen, sind in anderen Bereichen umweltrechtliche Regelungen vorhanden, die ähnlich dem deutschen/europäischen Umweltrecht sind. So gehören z. B. in allen öffentlichen Gebäuden Energiesparlampen zur Pflichtausstattung und energieintensive Unternehmen sind schon seit einigen Jahren dazu verpflichtet, Energieaudits durchzuführen. Gerade in diesem Bereich gibt es aber auch einen großen Mangel an Fachkräften und somit ein Potenzial für Absolventen der DKU. In Gesprächen mit Vertretern deutscher Unternehmen in Kasachstan erfuhren die Zittauer Studenten das es die geringeren Umweltstandards in Kasachstan erlauben, dass auch deutsche Firmen dort Technologien verkaufen, die nach deutschen gesetzlichen Regelungen in Deutschland nicht mehr zugelassen sind. Neben allen positiven Eindrücken und Erkenntnissen führten solche Erkenntnisse bei den Zittauer Studierenden auch zur kritischen Analyse:
„Kasachstan im Allgemeinen und Almaty im Speziellen konnte sich in bestimmten Bereichen in einem Wahnsinnstempo entwickeln. Ähnlich wie Deutschland in den 50-70er Jahren entstand in Kasachstan durch die rasante und massive Industrialisierung ein großes Umweltproblem. Anders als Deutschland zu dieser Zeit, kann Kasachstan aber die Entwicklungsphase von neuen/umweltfreundlichen Technologien überspringen und sofort GreenTech wie Gaskraftwerke oder Autos mit hohen Filterstandards einsetzen. Da diese Techniken aber mit Patenten belegt sind, können sie nur von europäischen oder japanischen Firmen importiert werden. Dadurch bleiben die kasachischen Firmen entwicklungstechnisch weiterhin im Rückstand, aber das Geld fließt und Arbeitsplätze entstehen. Das bedeutet, dass Kasachstan zwar schnell umwelttechnisch aufschließen kann, aber nur unsere Firmen daraus einen Gewinn ziehen. Daraus schließe ich, dass das vorhandene Patentsystem ungerecht ist und die Bevölkerung dieser Länder am raschen und gerechten Fortschritt hindert. Weiterhin hindert es aber auch unsere gesamte Zivilisation beim schnellen und effizienten Kampf gegen den Klimawandel.“ (Florian, Student NsM15S)

Fachlicher Austausch zwischen kasachischen und deutschen Studenten

Fachlicher Austausch zwischen kasachischen und deutschen Studenten

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Gemeinsame Präsentation im Rahmen des Planspiels ” Eine Hochschule voller Energie”

Neben dem fachlichen Input lebte die Reise vor allem durch eine sehr offene und herzliche interkulturelle Zusammenarbeit zwischen den deutschen und kasachischen Studierenden und Dozenten. Und so blieb nach all der Arbeit noch Zeit für Stadtbesichtigungen, Wanderungen im Tien Shan Gebirge und Essen in landestypischen Restaurants.

„Mir bleiben vor allem die kasachische Gastfreundlichkeit und die netten Menschen im Gedächtnis. Ich war erstaunt und erfreut, dass wir deutschen und kasachischen Studenten uns untereinander von Anfang an gut verstanden haben und miteinander reden, arbeiten und Spaß haben konnten. Außerdem hat man einen Einblick in ein Land bekommen, von dem man eigentlich nur den Namen kennt und sich gar nicht vorstellen kann, wie dort die Zustände sind. Gleichzeitig wurde einem wieder bewusst, dass unsere Standards in Deutschland in vielen anderen Ländern noch nicht entwickelt sind. Alles in allem hat sich diese Reise mehr als nur gelohnt und ich bin froh, dass ich daran teilnehmen konnte! Ich kann jedem, dem sich solch eine Gelegenheit bietet, nur empfehlen diese wahrzunehmen.“ (Tobias, Student NsM15S)

„Bei unserer Studienreise nach Almaty erlebte ich viele eindrückliche Momente. Angefangen von der dortigen Gastfreundschaft, über die beeindruckende Natur bis hin zu den fachlichen Gesprächen mit den Studierenden der DKU konnte ich eine Vielzahl schöner Erlebnisse und dazu gewonnene Erfahrung mit nach Hause bringen.“
(Christiane, Studentin NSM15S)

Die Studienreise nach Almaty ist ein weiterer Schritt im Rahmen der Kooperation zwischen der HSZG und der DKU. Professoren und Mitarbeiter der Fachgruppe Ökologie und Umweltschutz sind im Rahmen eines seit dem Jahr 2007 geförderten DAAD-Projektes an der Entwicklung und Umsetzung des Bachelorstudienganges „Energie- und Umwelttechnik“ aktiv beteiligt und führen als Modulverantwortliche einmal jährlich vor Ort oder virtuell Lehrveranstaltungen zum Umweltrecht und den Umweltmanagementsystemen an der DKU durch.
Studierende des Bachelorstudienganges „Energie- und Umwelttechnik“ der DKU konnten im Sommer 2014 einen zweiwöchigen Studienaufenthalt an der HSZG und im Frühjahr 2015 ihr viermonatiges Pflichtpraktikum in Zittauer Unternehmen durchführen. Vier dieser Studenten haben im Oktober ihr Masterstudium zum „Integrierten Management“ an der HSZG aufgenommen. Eine Kooperation, die lebt…

Wir bedanken uns ganz herzlich für die finanzielle Unterstützung zur Durchführung der Reise über das PROMOS-Programm bei der HSZG und dem Verein für Internationales und Interdisziplinäres Management e.V. sowie für die fachliche Begleitung der Reise durch Prof. Dr. Bodo Lochmann, Rektor a.D. der DKU. Ein besonderer Dank geht an Dr. Nassipkul Dyussembekova, Studiengangsleiterin „Energie- und Umwelttechnik“ der DKU und an ihre Studenten für die exzellente fachliche und persönliche Betreuung vor Ort.

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